Wanted ! – England fordert schwule Spione
17. August 2008 | Von Christina Stern | Kategorie: DestinationAuf zu neuen Ufern, auch wenn das Neue in diesem Falle wohl eher das ‘andere Ufer’ sein wird.
Mit kritischer Distanz berichtet der eher als konservativ geltende “Sunday Telegraph” über eine solche Initiative. Inhaltlich arbeite, nach Aussagen des Mediums, die Personalabteilung des MI5, der unter anderem für die Terrorismusbekämpfung zuständig ist, jetzt mit der britischen Schwulen- und Lesbenorganisation Stonewall zusammen.
Als erste Konsequenz wird in der neuesten Ausgabe des Stonewall-Jahrbuch der schwulen- und lesbenfreundlichen Arbeitgeber – den Angaben zufolge -erstmals auch der MI5 aufgelistet.
“Ich bin optimistisch, dass sich der Dienst in zehn bis 15 Jahren so gewandelt hat, dass seine Einstellungskriterien völlig jenen im Rest des modernen Großbritannien entsprechen”, äußerte sich Stonewall-Direktor Ben Summerskill.
Wie weit eine wirkliche Liberalisierung der Dienste gehen könnte, macht Summerskill mit einer Prognose klar, die er in diesem Zusammenhang wagte:
“Es gibt doch keinen Grund, dass dort nicht eine Lesbe oder ein Schwuler Generaldirektor sein könnte.”
Ein Regierungsmitarbeiter bestätigte die gezielte Kooperation zwischen dem legendären MI5 und Stonewall: “Der Geheimdienst will das gesamte Spektrum der britischen Gesellschaft abbilden.”
Die Rolle des Verbandes geht hierbei über das reine Rekrutierung von geeigneten Kandidaten hinaus. Ebenfalls zum Aktionsrahmen gehört das gezielte Coaching darüber, wie eine harmonisches Atmosphäre gestaltet werden kann, um das Outing der Agenten so reibungsfrei wie möglich zu organisieren.
In der Vergangenheit war es britischen Behörden bis Anfang der 90er Jahre verboten, Schwule und Lesben in wichtigen Positionen zu beschäftigen, weil sie als erpressbar galten.
Eine Veränderung trat erst mit den Ereignissen rund um die brutalen Terroranschlägen in London am 7. Juli 2005 ein. Im Zuge der Restrukturierung wurde der MI5 systematisch ausgebaut.
Bis Ende 2008 soll die Anzahl der Mitarbeiter auf 3.500 Mitarbeiter anwachsen. Während nach den Attentaten bevorzugt Muslime und Menschen mit Kenntnissen asiatischer Sprachen gesucht und ‘angelernt’ wurden, ist das Rekrutieren von Homosexuellen laut “Sunday Telegraph” allerdings neu.














