Chronomedizin – die Medizin der vierten Dimension entdeckt den “Lebensrhythmus”
1. September 2008 | Von Rooster3 | Kategorie: LifeStyleDer Mensch ist Rhythmus – ob wir atmen, schlafen, gehen oder verdauen, für all unsere Tätigkeiten existiert ein bestimmter Rhythmus. So tickt auch in jeder Körperzelle eine eigene Uhr – meint zumindest der neuste medizinische Trend: Chronomedizin beschäftigt sich mit diesen inneren Uhren. Nur wer im Rhythmus bleibt, bleibt gesund.
Stellt man sich den Körper als Orchester der Zellen und Organe vor, dann ist ein reiskorngroßer Kern im Hirn, der Nucleus, Dirigent und Taktgeber: Hier werden in der Nähe der Sehnervenkreuzung (Chiasma) die circadianen Rhythmen koordiniert.
Diese Rhythmen sind so alt wie die Menschheit selbst, und werden von unserer beschleunigten Lebensrealität täglich auf die Probe gestellt. Oft hält unser innerer Chronometer dem modernen Lebensstil nicht stand – die permanente Beschleunigung unseres Lebensrhythmus sei deshalb nicht nur stressig, sondern vor allem krankmachend, meint Gertrude Berka-Schmid, Psychotherapeutin und Fachärztin für Psychiatrie und Neurologie. Berka-Schmid hat den Rhythmus im Blut – sie hat neben Medizin auch Gesang studiert.
“Die gesündesten Menschen sind die, deren biologische Rhythmen gut mit einander korrelieren“, ist Berka-Schmid überzeugt. Die Fachärztin ist mit dieser Theorie nicht allein. Chronobiologen nennen sich Wissenschaftler, die sich ausschließlich mit rhythmischen Phänomenen in der Natur beschäftigen. Dass dieses medizinische Neuland gerade jetzt von immer mehr Medizinern und Wissenschaftler betreten wird, hat einen einfachen Grund: “Der Mensch selbst stört seine eigenen Rhythmen unentwegt” – unsere Lebensrealität hat eine Beschleunigung erfahren, der unsere innere Uhr nicht mehr nachkommt.
Unser stärkster Taktgeber ist die Atmung: Mit dem richtigen Luftholen kann Stress ausgeglichen werden – “je größer das Chaos, desto mehr Rhythmus braucht der Mensch”, erklärt die Expertin. “Findet man den eigenen Atemryhthmus wieder, dann ordnen sich andere Rhythmen automatisch diesem Eigenrhythmus zu“.
Wer singt, atme meist automatisch richtig, so Berka-Schmid: Der Gesang zwingt zur Verlängerung der Ausatmung und vertieft damit auch die Einatmung – schließlich stehen beide Vorgänge in wechselseitiger Beziehung. Bei einem tiefen Atemzug verschiebt sich das Zwerchfell um ungefähr 15 Zentimeter. Diese Bewegung beeinflusst wiederum andere Körperfunktionen, wie Durchblutung oder Darmtätigkeit.
Entscheidend für unser tägliches Wohlbefinden sei außerdem der Schlafrhythmus. Wer die zentrale Tiefschlafphase zwischen ein und vier Uhr morgens auslässt, kann es bald mit Burnout, Depressionen zu tun bekommen.
Die Chronomedizin eröffnet der allgemeinen Medizin eine neue Dimension: So sind Circadiane Informationen mittlerweile ausschlaggebend für die richtige Interpretation von Blutdruckmessungen. Ebenso hat die richtige Dosierung von Medikamenten mit dem richtigen Timing zu tun: Die Einnahme zur korrekten Tageszeit macht bei gleich bleibender Wirkung kleinere Dosen erforderlich.
“Es ist wie beim Gehen lernen, am Anfang ist es anstrengend, aber irgendwann korrelieren sämtliche Rhythmen, vom Lidschlag bis zum Schlucken, ganz wie von selbst”, erklärt Berka Schmid. Ziel ihrer Atmungsseminare ist es, Haltung, Bewegung und Atmung zu synchronisieren, sodass der Körper wieder als Synphonie erklingt.













