Networking-Plattformen: Ethische Richtlinien noch zu definieren
7. März 2008 | Von Rooster3 | Kategorie: Business[inspic=865,left,,thumb]Da die Branche der Web 2.0-Netzwerke noch sehr jung sei, müssen soziale und ethische Gesetze erst definiert werden, meint StudiVZ-Chef Marcus Riecke auf der Computermesse CeBIT. Das “Ende der Privatsphäre” ist für die rasant anwachsenden Usergemeinden auf Xing, Myspace oder Facebook offenbar noch kein Thema.
Das Online-Netzwerk StudiVZ arbeitete regelmäßig mit der Polizei zusammen: Daten von Usern, die sich auf Bildern ihres StudiVZ-Profils beim Marihuana-Konsum oder beim Missbrauch sonstiger illegaler Drogen zeigen, werden an die Behörden übermittelt – so wollte es zumindest die Spiegel-Story zum Thema darstellen. Einer anschließenden Klarstellung nach gab es laut StudiVZ-Chef Riecke aber noch keine Anfragen wegen Drogenkonsum, sondern wegen Wiederbetätigung, rechtsextremer und volkshetzerischer Inhalte, sowie Verletzungen des Persönlichkeitsrechts. Die Daten werden von der Geschäftsführung auf Anfrage weitergeleitet.
Die Grenze zwischen Rechtsstaatlichkeit und unethischem Datengebrauch erweist sich in manchen Fällen jedoch tatsächlich als äußerst dünn – vor allem, wenn veröffentlichte Fotos als Verdachtsmoment herangezogen werden. Die Tatsache, dass es immer noch einen Unterschied zwischen einem Bild und der Situation, die es abbilden soll, gibt, scheint unter den Tisch zu fallen – zumal die Quelle dieser Bilder, anders als bei behördlicher Ermittlung und Überwachung, nicht transparent ist. Bilder bilden also angeblich die Realität ab – c’est ne pas un joint! – möchte man zum Beispiel vom Kiffer-Foto in Anlehnung an Magrittes legendäres Bild von der Pfeife anmerken. Das Problem mit dem Datenschutz ist wohl die damit einhergehende Paranoia auf beiden Seiten: Überwachungswut der Behörden angesichts der neuen offenen kommunikativen Kanäle – in denen ja in der Tat alles mögliche kursieren kann – einerseits, die Ängste der User vor totaler Transparenz gegenüber einem “Überwachungsstaat” andererseits.
Xing-Vorstandschef Lars Hinrichs sieht den Datenschutz in Europa im Vergleich zur USA noch gut aufgestellt: “Bei uns können die Geheimdienste nicht auf alles zugreifen, so wie in den Vereinigten Staaten seit dem Patriot Act”. Was die User von Online-Netzwerken schätzen, sei der Eindruck, dass es hier einen Punkt im Internet gibt, an dem sie die Kontrolle haben. Das Konzept der Orte, in verschiedene Aspekte des persönlichen und sozialen Raums ausgelebt werden, kommt hier in den Sinn: Der “First Place” ist demnach der eigene Lebensraum, die Wohnung oder das Haus, als zweiter Ort gilt der Arbeitsplatz, gefolgt vom öffentlichen Raum als drittem Ort: Plätze, Parks, Clubs, Lokale gelten dabei als verlängerter sozialer Arm des “Wohnzimmers”. Jetzt gibt es einen Ort mehr: Der virtuelle Raum, in Form von 2.0-Plattformen, sei es Second Life, Community-Spiele wie World of Warcraft oder eben Networking-Plattformen wie Xing, StudiVZ, Myspace oder Facebook. Dementsprechend entwickeln Menschen auch einen “virtuellen Anzug”, quasi eine virtuelle Idealprojektion ihres Selbst. Ähnlich einem Club- oder sonstigem Lokalbetreiber bringt die Organisation und Gestaltung eines solchen sozialen Raums Verantwortung mit sich, denn er wird nur dann Menschen anziehen, wenn diese sich in ihm wohl und sicher fühlen – und frei bewegen können.
Unterdessen wird auf der CeBit in Hamburg die Zukunft von sozialer Netzwerken diskutiert: Die haben sich im privaten Bereich als dynamischer Bestandteil sozialer Beziehungen manifestiert, nun spielen sie auch innerhalb von Unternehmen und im Networking der Mitarbeiter eine zunehmend wichtigere Rolle. Xing-Boss Hinrichs hält fest, dass man vor 50 Jahren noch ein Leben lang an sein Unternehmen gebunden war: “Inzwischen liegt die Verweildauer in Europa bei drei und in den USA bei 1,8 Jahren. Daher wird es wichtiger, sich zu vernetzen”.













